Stories | 50 Jahre Schweizer Jugend forscht |

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Geschichten aus 50 Jahre Schweizer Jugend forscht


Science Day & Science Bar

Forschung & Wissenschaft für jedermann

Wissenschaft ist trocken und langweilig? Wir beweisen Dir das Gegenteil. Am Science Day kannst du dein Gehirn vermessen lassen, unserer Boden analysieren, mit ETH Professoren experimentieren und über kuriose Erfindungen lachen. Lerne ehemalige Kandidaten des Nationalen Wettbewerbs kennen, tausche dich mit ihnen aus und geniesse das Unterhaltungsprogram.

Langer Tag? Komm am Feierabend in die Science Bar und lass dich ablenken. Es erwarten Dich molekularen Drinks, pySpencer der automatische Barkeeper und ein durchaus inspirierendes Unterhaltungsprogram mit Oli Kehrli & reatch. Du findest uns während der Jubiläumswoche in der Stube-im-Progr.

 

 


„Die Idealform des Tanzbeines im klassischen Ballett bietet aus rein physikalischer Sicht Vorteile“

Jasmin Künnecke war Teilnehmerin am Nationalen Wettbewerb 2016. Sie hat sich gefragt wie es einer Ballerina gelingt schwerelos auszusehen. Im Interview erzählt sie weshalb sie dieses Thema gewählt hat, was sie in ihrer Projektarbeit herausgefunden hat und was ihre Erkenntnisse bewirken.

 

Interview mit Jasmin Künnecke

 

SJf: Wie lautet der Titel deines Projektes?

Jasmin Künnecke: „Die Idealform für Tänzerbeine im klassischen Ballett: Nur Optik oder funktionellen Ursprungs?“

SJf: Wie ist es dazu gekommen, dass du dich für dieses Thema entschieden hast?

Jasmin Künnecke: Balletttanz ist seit vielen Jahren mein Hobby. Ich habe schnell festgestellt, dass sich im Ballett eine Kunstform mit Hochleistungssport verbindet. Eine Ballerina kann trotz physischer Anstrengung schwerelos aussehen, als ob die Physik nicht gälte. Es faszinierte mich herauszufinden, warum einer Ballerina dieser Auftritt gelingt und mit physikalischen und tanzmedizinischen Erkenntnissen zu belegen.

SJf: Worum geht es in deiner Arbeit?

Jasmin Künnecke: Ich habe untersucht, ob das Ideal des Tanzbeines, sprich ein hoher Spann und ein überstrecktes Knie, nur optisch ansprechend, oder auch aus physikalischer Sicht vorteilhaft ist. Dafür habe ich ein mathematisches Modell entwickelt und die Auswirkung der Beinform auf die vorherrschenden Kräfte in einer Drehbewegung einer Tänzerin untersucht. Schliesslich habe ich die physikalischen Ergebnisse den Erkenntnissen aus der Tanzmedizin gegenübergestellt.

SJf: Was hast du mit deiner Arbeit herausgefunden?

Jasmin Künnecke: Die Idealform des Tanzbeines im klassischen Ballett bietet aus rein physikalischer Sicht Vorteile, insoweit als die Drehkräfte an den Gelenken weitgehend minimiert sind. Das Ideal steht jedoch im Konflikt mit der natürlichen Anatomie und Funktion des Beines und führt deshalb zu zahlreichen Überlastungen im Bein- und Fussbereich.

SJf: Was möchtest du mit deiner Arbeit bewirken?

Jasmin Künnecke: Von meiner Arbeit können Tänzerinnen mit und ohne Idealbein profitieren, indem sie ein besseres und vertieftes Verständnis der Auswirkung ihrer spezifischen Anatomie auf tanzmedizinische Risiken erlangen. Für Fachleute können sich Lösungsansätze für Diagnostik und Prävention ergeben. Dem breiten Publikum wird vor Augen geführt, welche Höchstleistung eine Tänzerin vollbringt.

SJf: Mit welchen Gefühlen blickst du dem Nationalen Wettbewerb entgegen?

Jasmin Künnecke: Ich freue mich darauf, meine Arbeit vor einem grossen Publikum präsentieren zu dürfen und neue Kontakte zu knüpfen. Ich denke, der Nationale Wettbewerb ist dafür eine einmalige Gelegenheit. Ich bin gespannt, was mich alles erwartet.

 

 

 


„Etwas Humor ist wichtig in der Wissenschaft, wie im Leben allgemein“

Vor 10 Jahren wollten wir genauer wissen, wo unsere ehemaligen Teilnehmer stehen. Aus jedem Wettbewerbsjahr haben wir eine Erfolgsgeschichte vorgestellt. Untern ihnen sind Reto Baumberger und Markus Seeger, Teilnehmer aus dem Jahr 1996.

 

Was sie damals untersucht haben

Mundgeruch. Langweile. Coolness. Es gibt viele Gründe, Kaugummi zu kauen. Fest steht: der Kaugummi ist beliebt. Trotzdem existiert kaum wissenschaftliche Literatur über diese kaubare Gummimasse. Diese Tatsache war für uns Motivation, der Bedeutung des Kaugummis in unserer Gesellschaft auf den Grund zu gehen. Dazu erarbeiteten wir unter anderem einen Fragebogen, den möglichst viele Leute ausfüllen sollten. Wir fuhren damit einen ganzen Tag lang Zug. Und zwar von Appenzell nach Lausanne und zurück. Auf dieser Strecke befragten wir die Passagiere. Danach hatten wir über 1000 ausgefüllte Fragebogen auszuwerten. So fanden wir zum Beispiel heraus, wie viele Menschen ihren Kaugummi nach dem Genuss hinunter schlucken und wie viele ihn ausspucken. Jährlich landen über 200 Tonnen Kaugummi-Masse auf der Strasse. Das ist ein Abfallproblem. Doch der Kaugummi hat durchaus auch seine guten Seiten: er hat eine Anti-Karies Wirkung. Zahnärzte bestätigen: es ist sogar besser, nach dem Essen einen zuckerhaltigen Kaugummi zu kauen, als überhaupt keinen.

 

Was sie danach taten

Reto Baumberger studierte an der ETH Lausanne (EPFL) Kommunikations-Systeme. 2005 arbeitet er bei Swisscom Innovations als Berater und Experte für Multimedia-Technologie. Markus Seeger hat an der ETH Zürich Biotechnologie studiert und doktorierte er am Institut für Physiologie an der Universität Zürich.

 

 >> weitere Erfolgsgeschichten

 

 

 


Erlebnisbericht Studienwoche Verhaltensbiologie im Zoo Zürich

Ariane Dorffer erzählt von Ihren Erlebnissen

 

„Eine Welt der Entdeckung, der Wissenschaft und der Kollegialität“

Ariane Dorffer war 2016 Teilnehmerin der Studienwoche Verhaltensbiologie im Zoo Zürich. Was sie dort erlebt hat, erzählt sie in ihrem Erlebnisbericht.

„Meine Freude war unfassbar gross, als ich an einem Samstagabend erfuhr, dass ich eine derjenigen war, die für die Studienwoche «Verhaltensbiologie im Zoo Zürich» ausgewählt wurde. Von diesem Moment an fieberte ich auf den Start der Woche hin. Schliesslich war es endlich soweit: Der Sonntag war sonnig und ich schleppte meine Reisetasche zum Eingang des Zoos. Ich war nicht die Einzige, viele andere waren schon da, wir alle hatten uns noch nie zuvor gesehen.

Die Stimmung war verhalten, aber freundlich. Einige wirkten orientierungslos, beinahe verloren unter all den fremden Gesichtern, andere fanden sich sofort. Schnell liessen sich die ersten Freundschaften erahnen. Als unsere Betreuer schliesslich auftauchten, war das Eis bereits gebrochen. Die Gruppe wurde lauter, die Gemüter unruhiger. Wir waren voller Tatendrang, wollten alles in uns aufsaugen. Jedem schien bewusst zu sein, wie einzigartig die Chance war, die uns geboten wurde.

Wir durften von dem Wissen erfahrener Biologen, Zoologen, Tierärzten und Kuratoren profitieren. Wir wurden bei unserer eigenen wissenschaftlichen Arbeit betreut. Für viele war es die erste empirische Erfahrung im Bereich der Verhaltensbiologie. So auch für mich. Hinzu kam das Leben, das hier überall zu pulsieren schien. Die vielen Eindrücke waren schier überwältigend. Ich wurde mitgerissen von der begeisterten Stimmung. Wir wurden durch den ganzen Zoo geführt, erfuhren viel über die einzelnen Tiere. Über diese Bewohner exotischer Länder und unbesiedelter Territorien. Über diese Botschafter der Natur und des Umweltschutzes.

Schliesslich kam der Moment, da wir unsere Wahl treffen mussten. Wir mussten uns entscheiden, welches Tier wir beobachten wollten. Unter all den möglichen Tieren, die ich hätte wählen können, entschied ich mich schliesslich für das Chamäleon, das im Zoo Zürich die Masoala-Halle bewohnt. Im Laufe der Tage konnten wir viele exotische Tiere, wie zum Beispiel rote Varis und Flughunde, entdecken. Ich verbrachte so viel Zeit in dem gigantischen Treibhaus, dass es mir so vorkommt als kenne ich es in- und auswendig. Den ganzen Tag über erfassten wir Daten über unsere Subjekte in einer einzigartigen Umgebung. Täglich wurde das Ganze von Exkursionen, Führungen und gemütlichen Abenden in der Gruppe abgerundet

Kurzum: Es hat sich angefühlt wie eine geballte Ladung Highlights, eines an das andere gereiht, sodass es mir unmöglich ist zu sagen was das Beste war. Schon am zweiten Tag fühlte ich mich als würde ich in diese Welt gehören. Eine Welt der Entdeckung, der Wissenschaft und der Kollegialität. Egal was wir taten, es gab immer jemanden der gewillt war uns zu helfen. Seien es unsere Betreuer, Tierpfleger oder Kuratoren. Wir wurden nie alleine gelassen und doch wurde unsere Selbständigkeit auf eine individuelle Weise gefördert, wie es eine Schule nicht vermag.

Diese Umstände waren es, die die Zeit verfliegen liessen. Hier konnten wir alle einfach sein. Wir, die wir allesamt absolut fasziniert und begeistert von Tieren waren. Doch dann wurde uns das Schwinden der Zeit umso schmerzlicher bewusst. Ehe ich mich versah war der Tag da. Der Tag an dem wir unsere Ergebnisse präsentieren. Der Tage, der der Letzte dort sein sollte. Der Morgen verging wie ein Wimpernschlag. Es wurde geprobt und der Präsentation den letzten Schliff verpasst. Nach dem Mittagessen war unsere Nervosität auf einem Level angelangt, das kaum mehr auszuhalten war. Über 50 Leute sollten kommen: Verwandte und Bekannte, Freunde und Familie. Doch auch andere Besucher wurden erwartet: Professoren und der Direktor von Schweizer Jugend forscht. Unsere Leiter nahmen uns mit ihrem Humor und Einfühlungsvermögen die Angst.

Obschon die Freude danach sehr gross war es überstanden zu haben, war uns allen klar, dass nun der Augenblick zum Abschied gekommen war. Wünsche wurden ausgetauscht, Versprechen sich nicht aus den Augen zu verlieren gegeben. Nach einem üppigen Apéro war unsere Zeit im Zoo Zürich mit all ihren Freuden endgültig abgelaufen. Im Wegfahren glitt der Zoo an mir vorbei und ich gab diesem Ort des Lebens das Versprechen wiederzukommen, diese Woche mit all ihren wertvollen Erkenntnissen niemals zu vergessen.“

 

Die Studienwochen von Schweizer Jugend forscht gewähren während einer Woche einen Einblick ins Forschen an einer Universität, Hochschule oder einem renommierten Unternehmen.

Hast du Interesse an Wissenschaft? Möchtest du wie Ariane Dorffer eine neue Welt entdecken und Bekanntschaften knüpfen? Dann melde dich für eine unserer Studienwoche an.

Möchtest du mehr über Ariane Dorffers Beobachtungsergebnisse erfahren? Lese ihren Abschlussbericht.